Wasserpflanze des Jahres

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2018

Die Stern-Armleuchteralge (Nitellopsis obtusa) ist Wasserpflanze des Jahres 2018

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Wasserpflanze 2018

Stern-Armleuchteralge

Stern-Armleuchteralge (Nitellopsis obtusa)



Nitellopsis obtusa (Quelle: Silke Oldorff)

Die ausgewählte Stern-Armleuchteralge (Nitellopsis obtusa) hat in den zurückliegenden Jahren zwar nicht in Bezug auf ihre geografische Verbreitung, wohl aber in Bezug auf ihre Ausdehnung und Tiefenzonierung innerhalb der Gewässer, in denen sie lebt, massive Bestandseinbrüche zu verzeichnen. Dies zeigen unter anderem Ergebnisse des Projektes "Tauchen für den Naturschutz", einer Kooperation des VDST mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU). Sie gehört zu den Armleuchteralgen, einer Gruppe von Makroalgen, die spezialisiert sind auf nährstoffarme Gewässer und deshalb auch gemeinsam mit diesem sensiblen Lebensraum stark gefährdet.

Ihren Namen hat die Stern-Armleuchteralge von den sternchenförmigen weißliche Sprossknollen. Diese stärkehaltigen Sprossknollen nennt man Bulbillen. Sie machen die Art im Vergleich zu anderen Armleuchteralgen unverwechselbar. Alt Charakterart mittel- bis stark kalkhaltiger Klarwasserseen bildet sie ausgedehnte dichte Grundrasen mit einer Mächtigkeit von bis zu zwei Metern Höhe und kann dort vor allem Einart- oder Dominanzbestände ausbilden. Sie bildet damit in nicht von Verschmutzung betroffenen Seen dieses Typs oft den Hauptanteil von Pflanzenbiomasse und kann so effektiv den Gehalt von frei im Wasser verfügbaren Nährstoffen senken, Gewässer also klar halten.

Seerose unter Wasser

Bestandsbildende Stern-Armleuchteralgen (Quelle: Silke Oldorff)

Die von ihr gebildeten Grundrasen bieten dann für viele Wasserinsekten, Muscheln, Schnecken, Krebse und Jungfische einen wichtigen Schutz. Die dichte Pflanzendecke verhindert ein Aufwirbeln des Sedimentes und somit ein Freisetzen von im Seeboden gebundenen Nährstoffen. Gleichzeitig gibt die Stern-Armleuchteralge pflanzenhemmende Stoffe ab und unterdrückt dadurch das Phytoplankton. Die Seen werden dadurch klarer und da das einfallende Licht tiefer eindringen kann, kann auch die Stern-Armleuchteralge in ausgedehnteren Tiefen wachsen. Je klarer das Wasser, desto mehr Licht in größeren Tiefen und desto tiefer kann der Lebensraum von Wasserpflanzen besiedelt und klar gehalten werden. Dies gelingt in erster Linie den Armleuchteralgen, da sie in ihren Zellen Kalk einlagern und so dem großen Wasserdruck in der Tiefe trotzen können.

Verbreitung

Die Sternarmleuchteralge kommt in ganz Deutschland vor und sie ist auch in den meisten europäischen Ländern zu finden. Sie ist in den eiszeitlich entstandenen Seen genauso zu Hause, wie in Sekundärgewässern. Das Vorkommen von Stern-Armleuchteralgen ist streng am Vorhandensein von klaren kalkhaltigen Seen gebunden. Und das ist ihr Problem, viele ehemalige Wuchsorte die in historischen Zeiträumen besiedelt waren, sind durch massive Nährstoffeinträge erloschen. Dabei spielen Fische, die im Sediment ihre Nahrung suchen eine große Rolle. Zu großen Beständen von Karpfen und Brachsen wühlen nicht nur die Armleuchteralgen aus dem Boden, sie trüben das Wasser ein und setzen im Sediment gebundene Nährstoffe frei.

Gefährdung

Ergebnisse des Projektes "Tauchen für den Naturschutz" haben gezeigt, dass auch in Gewässern in denen die Art noch heute in großen Dominanzbeständen vorkommt, sie dennoch massive Verluste hinsichtlich der von ihr besiedelten Gewässerbodenfläche zeigt, Tiefenbestände sind flächenhaft verschwunden und die Art ist in flachere Gewässerabschnitte ausgewichen. So wuchs sie im Helenesee bei Frankfurt/Oder (Brandenburg) bis 15 m, im Großen Stechlinsee (Brandenburg) bis 11 m, im Bodensee (Schweiz/Baden-Württemberg) bis 12 m, im Plöner See (Schleswig Holstein) bis 30 m und im Feldberger Seengebiet (Mecklenburg-Vorpommern) einst bis 20 m Tiefe. In diesen Seen kam es zu einer Verringerung der besiedelten Fläche durch Verlust der Tiefenbestände. Die Art gilt in Deutschland als nicht gefährdet, in Österreich besteht eine drohende Gefährdung. Aussterbewahrscheinlichkeit < 10 % in den nächsten 100 Jahren und in der Schweiz gilt sie als potentiell gefährdet. In allen drei Ländern ist in ihrem Bestand in den letzten Jahrzehnten rückläufig








Text und Bilder von Silke Oldorff