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2019

Der Europäische Froschbiss (Hydrocharis morsus- ranae) ist Wasserpflanze des Jahres 2019

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Wasserpflanze 2019

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Europäischer Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae)

Mit der Wahl des Europäische Froschbisses zur Wasserpflanze des Jahres 2019 möchten wir auf die Gefährdung des Flachwasserbereiches aufmerksam machen, der ein ganz wichtiger Lebensraum für Wassertiere und Wasserpflanzen ist.



Hydrocharis morsus-ranae (Quelle: Ralph O.Schill)

Die herzförmigen Schwimmblätter des Europäischen Froschbisses ähneln kleinen Seerosenblättern. Die Blätter sind rundlich bis nierenförmig und an der Oberseite glänzend grün. Die Unterseite ist leicht rötlich. Die Blattnerven verlaufen beidseits des Stielansatzes mit 2 bogigen- unverzweigten Hauptnerven. Der Durchmesser der Schwimmblätter beträgt 1,5-5 cm. Am Anfang des Blattstieles sitzen auch zwei ca. 2 cm lange, schmale Nebenblätter.

Schwimmblatt-Teppich aus Froschbiss

Schwimmblatt-Teppich aus Froschbiss (Quelle: Ralph O. Schill)

Die zahlreichen Wurzeln hängen frei im Wasser und nehmen dort die Nährstoffe auf. Nur an flachen Stellen haften sie im Sediment. Die Pflanze selbst bildet Rosetten, die durch die Erzeugung von Ausläufern von 5-20 cm Länge entstehen, an deren Enden sich neue Rosetten (Tochterpflanzen) bilden. Dadurch hängen die Pflanzen als dichte Verbände in Schwimmblatt-Teppichen zusammen.

Die Art ist einhäusig, bildet aber weibliche und männliche Blüten auf einer Pflanze aus.
Die weiblichen Blüten (1-2 cm) sind etwas kleiner und einzeln stehend. Die männlichen Blu╠łten sind bis zu 3 cm groß und können einzeln oder bis zu dritt an 2-6 cm langen Stielen stehen.
Die 3 weißen Kronenblätter haben einen gelben Grund.





Überwinterungsknospen (Turionen) (Quelle: Volker Krautkrämer)


In kälteren Gewässern wie z. B. in Finnland blüht der Froschbiss manchmal gar nicht. Für die Vermehrung der mehrjährigen Pflanze ist das auch nicht notwendig. Es bilden sich meist in der Wachstumszeit viele Ausläufer mit kleinen Grundrosetten, die sich, sobald sie Wurzeln getrieben haben, von der Mutterpflanze lösen können. Die schwimmenden Rosetten können sich so langsam ausbreiten. Oft bilden sie aber dichte, ineinander- verschlungene Teppiche.

Im Herbst bilden sich dann Überwinterungsknospen (Turionen). Wenn sich das Gewässer wieder erwärmt, beginnen die Turionen zu wachsen und lagern Sauerstoff in den Blättern. Bei ausreichend gebildeten Blättern und darin eingelagertem Sauerstoff erhält die Pflanze genug Auftrieb um an die Wasseroberfläche aufzusteigen.








Vorkommen und Verbreitung



Froschbiss Blätter mit bogenförmigen Blattnerven (Quelle: Volker Krautkrämer)

Der Forschbiss bevorzugt langsam fließende und geschützte stehende, warme und nährstoffreiche Gewässer bis 1 m Wassertiefe. Er ist in ganz Eurasien verbreitet. In Deutschland ist er häufiger im norddeutschen Tiefland zu finden.






Gefährdung



Hydrocharis morsus-ranae (Quelle: Ralph O.Schill)

In Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz ist der Froschbiss gefährdet. In Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt ist er stark gefährdet und in Thüringen sogar vom Aussterben bedroht. Nur in Schleswig-Holstein gilt die Pflanze als nicht gefährdet.
In Österreich kommt der Froschbiss in allen Bundeslaändern, außer Tirol und Vorarlberg vor ist aber stark gefährdet. Nachdem er für Oberösterreich als verschollen geführt wurde, gab es 1998 einen Wiederfund bei Steyregg. Nur in Kärnten ist er ausgestorben bzw. verschollen. Da der Froschbiss aber gerne in Gartenteichen gehalten wird, können einzelne Funde auch auf eine beabsichtigte oder unbeabsichtigte Verwilderung zurückzuführen sein.
In der Schweiz ist der Froschbiss im Kanton Thurgau und Waadt vollständig geschützt.

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Hydrocharis morsus-ranae (Quelle: Volker Krautkrämer)

Der botanische Name Hydrocharis morsus-ranae wurde künstlich aus den griechischen Wörtern für "Wasser" sowie "Anmut und Schönheit" gebildet. Der Froschbiss wird zum erste Mal bei den niederländischen Botanikern Lobelius und Dodonaeus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erwähnt. Der Name Froschbiss ist natürlich nicht darauf zurückzuführen, dass Frösche in die Blätter beißen. Er bezieht sich vielmehr auf den Lebensraum der Schwimmblattpflanze im Uferbereich, der ebenfalls gerne von Fröschen besiedelt wird. Der "-biss" erklärt sich mit den am Grund eingebuchteten Blätter, die wie "ausgebissen" erscheinen. Auch die niederländischen (kikkerbeet), englischen (frogbit) oder norwegischen (froskebitt) Namen bedeuten genau dasselbe wie Froschbiss im Deutschen.

Der Froschbiss als Neobiot



Froschbiss Ausläufer (Quelle: Volker Krautkrämer)

Als Teichpflanze kam der Froschbiss 1938 erstmals in die Region von Ottawa in Kanada. Seither breitet er sich der invasive Neophyt in verschiedenen Regionen Kanadas aus. 1993 wurde er erstmals in dem US Bundesstaat Vermont entdeckt. Weitere Vorkommen gibt es zur Zeit in Maine, Michigan, New York, Ohio, Pennsylvania und Washington.



Text und Bilder von PD Dr. Ralph O. Schill und Volker Krautkrämer